Wie die Wege beim Surfen im Internet verfolgt werden – und wozu eigentlich?

Wie die Wege beim Surfen im Internet verfolgt werden – und wozu eigentlich?

Selbst wenn man weiß, wie das Tracking von Benutzern auf Webseiten funktioniert, bekommt dieses Wissen durch grafische Darstellung eine ganz andere Dimension. Auf die Datenblumen von Wired bin ich in einem Blog von Jens Kubieziel aufmerksam geworden.

Über das Thema Sammeln von Informationen im Internet wurde schon viel geschrieben und ständig gibt es neue Schlagzeilen. Ich werde hier mal ein wenig versuchen, die Hintergründe zu erläutern.


Im Prinzip führt jeder Aufruf eines Objektes auf einer Webseite zu Logeinträgen in eine Datei oder Datenbank auf dem jeweils ausliefernden Webserver. Darin finden sich, je nach Konfiguration, verschiedene Informationen, bis hin zum Betriebssystem des aufrufenden Systems, verwendeten Browser, Standort des Benutzers oder dem Verweis von dem der Aufruf kam. Diese Informationen werden von Webmastern seit vielen Jahren ausgewertet um festzustellen, welche Inhalte für die Benutzer von Interesse sind, wo Fehler auftreten und wo es Möglichkeiten zur Optimierung gibt. Das ist an sich noch nicht wirklich schlimm, da keine Verbindung zum jeweiligen Benutzer hergestellt wird.

Werden nun aber auf einer Webseite zum Beispiel Elemente von sozialen Netzwerken angezeigt, um zu zwitschern, zu teilen oder Gefallen zu bekunden, wird das natürlich auf den Servern des jeweiligen Betreibers mitgeloggt. Ist der Benutzer noch in einem dieser Netzwerke eingeloggt, wird das festgestellt und darüber eine Verbindung zum jeweiligen Account hergestellt. Das heißt, die Betreiber können genau nachvollziehen, wer sich bestimmte Webseiten anschaut. Diese Informationen werden gespeichert, ausgewertet und für verschiedenste Zwecke genutzt. Im günstigsten Falle bedeutet das „nur“ zielgerichtete Werbung auf Basis eines immer genaueren persönlichen Profils. Erfahrungsgemäß interessieren sich auch andere Institutionen für die Daten und speichern diese pauschal ab. Meist sind Anbieter auch gesetzlich verpflichtet, diese Informationen staatlichen Organen auf Anfrage auszuhändigen. Damit ist der „gläserne Bürger“ längst keine Utopie mehr. Für mich stellt sich hier auch nicht die Frage, ob der Einzelne etwas zu verbergen hat oder nicht. Die Art und Weise, wie technische Möglichkeiten und zum Teil Unwissenheit der Benutzer skrupellos ausgenutzt werden, finde ich schon sehr grenzwertig.

 

Mittel und Möglichkeiten, diesem Datensammeln Einhalt zu bieten, gibt es mehrere. Ein guter Ansatz ist es schon mal zu schauen, auf welchen Webseiten und bei welchen Anbietern man automatisch eingeloggt ist und sich dort nach Möglichkeit nur noch bei Bedarf anzumelden.

Jörg Leuschner

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